lintschis filosofium

oder – die wichtigkeit des seins

Fremde Nähe

 
Die Musikerin Mirjam Mikacs lud Autorinnen des Burgenlandes ein, für ihre neue CD  „Fremde Nähe – Stimmen zu Grenzen, Flucht und Krieg“ Texte beizusteuern. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich an diesem Projekt beteiligt sein darf.
Am 13. Oktober 2016 fand in der NN-Fabrik in Oslip die sehr berührende Präsentation statt.
 
filo1

Hier nun mein Beitragstext:
 
zufluchten

und dann kommt sie.
angst kriecht aus meinen zufluchten. krieg tritt in mein blickfeld. lächeln, wie geht das? zufriedenheit spüre ich als hohn. glück als naivität. freude erfriert an meinem gesicht.

und dann kommen sie.
aus den trümmern ihrer gegenwart. auf den nackten füßen der hoffnung. vorurteile fluten den menschenstrom. im schlamm der unbarmherzigkeit ertrinken ideale.

und dann sind sie da.
in den gehirnen hitzt die angst. die dürftigkeit der not lockt die notdurft der dummheit aus den ärschen des volkes. die unsicherheit bricht zacken aus der krone der menschlichkeit. wellen der unwissenheit stürzen als lüge und hatz über diffuse bedrohlichkeit. abwehr bläst zum angriff des pöbels. der überfluss regiert den wert.
mensch, wohin trägt dich die gier?

und dann sind sie da.
menschen erkennen menschen. nachbarn treten aus ihren schatten. springen über die zäune der feigheit in die pferche der ignoranz. reißen der oberflächlichkeit die masken vom gesicht. lichterketten zeigen den weg in eine kriegslose zukunft. schulter an schulter pflückt sich die blume der zuversicht leichter. hände öffnen sich zum geben. umarmungen legen sich um zitterndes erwachen. belohnung fällt aus augen. glück fällt aus gemeinsamkeit. angst kehrt sich zum mut.

und dann ist sie da.
leben ist entscheidung. nur dinge haben zwei seiten. eine lebenseinstellung ist kein ding. ich weiß mich zu entscheiden.

und dann bist du da.
du lächelst. wie geht’s? fragst du. und ich denke: mir geht es gut. aber wie geht es wohl dir? denn du kannst es mir nicht sagen. dein deutsch ist noch nicht gut genug dafür. doch du lächelst. mir freude ins gesicht.

 
© evelyne w.

lintschi liest

 

    2 comments already | Leave your own comment

  1. 10/29/2016 | 12:45 Permalink

    Ich bin immer etwas befangen, wenn ich als erste poste, da meine Satzstellung nicht immer richtig ist, aber:

    Ich finde es toll, was Du alles schaffst liebe Lintschi und das vorwiegend immer in erster Linie aus Liebe zum Menschen. Die Kunst liegt bei Dir erst an zweiter Stelle, so mein Gefühl.
    Die Veranstaltung war gewiss ein Erlebnis und ich freue mich für Euch, dass Ihr daraus eine CD kreiert habt.
    Viel Erfolg damit und vielen Dank fürs Vorlesen.

    Liebe Grüße
    Fini

    Respond to this comment

    • 10/29/2016 | 12:53 Permalink

      bitte liebe fini,

      sei nicht befangen. ich freue mich immer so, deine kommentare zu bekommen. abgesehen davon, dass sie eh korrekt sind, ist das doch auch für mich gar nicht so wichtig.
      viel wichtiger ist, dass du damit etwas anfangen kannst, was ich so mache und mir feedback gibst. das für mich ja „brot“ ist.

      alles liebe!
      deine lintschi

      Respond to this comment

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