ich war
ein farbenmeer
azur die wellen
deren gischt
du sprühtest
aus meiner mitte
drang das magma
weißglühend
bis orange
und die mäander
meiner arme
umfingen dich
in sattem purpur
auf dunkelblauem samt
schaukelten wir
zur ruh
© evelyne w.
und dann ist da
diese stille
die ich so liebe
wenn der morgen
sich in das haus schleicht
durch alle räume atmet
und mit seinen fingern knackt
die dusche
ihren jungfernstrahl
in kalten schauern
über mich flutet
und sich die minze
in die höhlen
meines mundes
breitet
dann der kaffee
auf dem balkon
ein stummes nicken
aller blütenköpfe
und aus dem fenster
hinter mir
schnarcht es sonor
dann bist es
wieder du
den ich so liebe
© evelyne w.
ich möchte deine augen schlucken
alles sollst du in mir sehen
geheimnisse für dich geschrieben
ohne wort einfach verstehen
ich möchte dich mit fingerspitzen
atmen in meiner brüste tiefe
weil deine haut dann immerzu
warm an meinem busen schliefe
ich möchte meine liebestode
mit dir in deinem bette sterben
und in der morgenauferstehung
die herzensreste dir vererben
ich möchte mit zerzausten haaren
barfuss durch dein erwachen laufen
und um die ersten sonnenstrahlen
für dich ein sternenfrühstück kaufen
© evelyne w.
ich liebe
dich an den tagen
wo die welt ganz flach wird
das licht sich
in den ecken drängt
und nur dein mund
mein sein beatmet
ich liebe
dich in die tage
an denen mein mund
spuren legt
in deine ecken
um dunkelheiten
auszuspülen
die das gestern
in deine nächte legt
ich liebe
dein dich an mich drängen
bevor die einsamkeit
dich mit sich zieht
dein greifen nach
der zärtlichkeit
um dich zu finden
in der ewigkeit
des uns
© evelyne w.
am zenit die sonne. hitze schwillt. die glut ihrer berührung treibt den schweiß in die lenden lechzender hänge. sucht seinen weg in den schoß des lebens. steigt auf als edler tropfen an der frucht die uns berauscht. unter dem schritt der lust dampft der boden sich zu schwüle. heißer atem umweht die schläfe des flüsternden sees.
© evelyne w.
am rand der nacht reibe ich mein fell. blank
lege ich meinen blick in den schoß des mondes. stille
umsäumt deinen ruf. mein schrei
ist kein klagen. an deinen fängen
glänzt neues leben
Variation:
am rand der nacht
reibe ich mein fell
blank
lege ich meinen blick
in den schoß des mondes
stille umsäumt deinen ruf
mein schrei
ist kein klagen
an deinen fängen
glänzt neues leben
© evelyne w.
ein wildes treiben zwischen den zeilen glanztriefenden weines. der salbei drängt sich mit violettem strahl an der kamille zarten leib. die malve schmiedet ihre ränke über das taumeln des weißen klees. es wogt der busen aufgeschossener jugend unter dem schwülen fordern ungestümer luft. benässt und trunken bettet die dunkle flur sich unter das feuchte spiel.
© evelyne w.
es leben worte
in den tagen
wo deine augen
mir gedanken flüstern
in den nächten
wo du sie stumm
auf meiner haut
spazieren trägst
und an den morgen
wo dein mund mich
ins erwachen küsst
wir leben worte
die ungesagt
uns so viel sagen
© evelyne w.

grau wälzt der himmel sich über der hänge trockene münder. öffnet ein wolkenband. tropft feuchte küsse auf die hälse wogender sehnsucht. trommelt sein nass an die hüften junger rieden. und dann der sturm. er peitscht die triebe. biegt ihre schlanken arme tief zu boden. doch stark sind ihre rücken. nach dem erguss bäumen sie sich empor. zu süßen ihre säfte.
© evelyne w.
dann ist hier dieser tag. der aus der nacht steigt wie venus nach dem bade. rosige wangen in den horizont legt. und grünwallend sein haar im winde flattern lässt. der blick den langsam er erhebt erglänzt am wimpernkranz des sees. vor seiner scham kein feigen-blatt. es ist der wein in diesem paradies. der seine nacktheit ziert.
© evelyne w.